Ralf Julke in der Leipziger Zeitung:

Ein Versuch zu erzählen, wie Kunst zum Bild auf der Leinwand wird

Es ist ein ziemlich vertracktes Buch, das die Leipziger Autorin Lea Rohrmoser hier vorgelegt hat. Eigentlich hat sie Germanistik und Anglistik studiert und über Hölderlin promoviert. Aber mit diesem Buch versucht sie, sich in das Innenleben einer Künstlerin einzufühlen. Wie ticken Künstler/-innen, wenn sie ihre Bilder erschaffen?

Das zumindest ist ein in der deutschen Literatur gern benutztes Motiv. Am Künstler kann man die Einsamkeit des Schaffenden schildern. Und seine Nöte, wenn es mal nicht so läuft, die Ideen ausbleiben oder die Arbeit einfach stockt. Ein Künstlerleben ist nicht so einfach.

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Seltsam, rätselhaft und verstörend – aber auf eine faszinierende Weise. „Ego oder die Sonne lacht“ ist eine Reise in die Gedankenwelt einer Künstlerin, die zwischen Realität und Wahnsinn gefangen ist und hinterlässt die Lesenden verwirrt, aber auf eine seltsam befriedigende und zugleich aufwühlende Art. 🌞

Im Mittelpunkt steht die Künstlerin Dorothea Born, die von mystischen Figuren, Träumen und der Besessenheit, etwas zu erschaffen, heimgesucht wird. Die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmt, während Dorothea sich in ihrer eigenen Welt aus Schöpfung, Zerstörung und Erschöpfung verliert. Die Sprache ist dabei kunstvoll und symbolistisch – mal wunderschön, dann wieder beklemmend und düster. Es ist übrigens diese sprachliche Kraft, die das Buch besonders eindrucksvoll macht. 🎨

Die Figuren, die sich um Dorothea herum bewegen – Alexander, der Galerist, und weitere merkwürdige Gestalten – sind ebenfalls in diese Traumwelt verstrickt. Beziehungen lösen sich auf, Realitäten verschmelzen, und es bleibt oft unklar, was wirklich ist und was nur in Dorotheas fiebrigen Gedanken existiert.

Was dieses Buch außerdem auszeichnet, ist seine Unberechenbarkeit. Es gibt keine klaren Antworten, nur Fragmente und Verwirrungen, welche die Lesenden immer wieder in Frage stellen lassen, was eigentlich Realität ist.

„Ego oder die Sonne lacht“ ist kein Roman für diejenigen, die eine stringente Handlung oder einen leicht verständlichen Text erwarten. Wer sich jedoch auf eine symbolistische Reise in die Welt der Kunst, des Wahnsinns und der menschlichen Psyche einlassen möchte, wird hier ein Werk finden, das lange nachhallt.

@blueten.honigs.buecher

Puh! Dieses Buch musste ich erstmal sacken lassen. Und ich denke eine Bewertung im klassischen Sinne (also wie ich einen Roman oder Thriller bewerten würde) ist hier nicht möglich. Ich betrachte es eher wie ein Kunstwerk. Wie ein riesiges Wandgemälde, bei dem es an jeder Ecke etwas Neues zu sehen gibt, und deren Interpretation ohne Hilfe kaum möglich ist. Dorothea Born ist Künstlerin und steht am Ende ihres Lebens, dass von Krankheit gezeichnet ist. Die Figuren ihrer Kunstwerke werden lebendig. Und so zeigen uns Lilith, Adam, Rahab und Raphael die Geschichte von Geburt, Leben und Sterben in einer bibelgleichen Weise. Alexander ist eine reale Figur und Galerist. Doch auch seine Realität verschwimmt durch mystische Wesen, die ihn bedrängen und zerreißen wollen. Nun bleibt noch die Frage Gretchenfrage: Wie gefällt das Buch? Und hier muss ich sagen, dass ich staunend davorsaß, was doch mit Sprache alles möglich ist. Das erzählen einer Geschichte und das Transportieren von Gefühlen nicht durch einfache Sätze, sondern durch die Entstehung eines Bildes oder Gesamtkunstwerkes. Es war für mich eine sehr interessante Erfahrung. Und dieses Bild würde ich fasziniert in einem Museum oder einer Kirche betrachten und mich daran erfreuen. Es wäre jedoch kein Bild für, dass ich mir im Wohnzimmer über den (nicht vorhandenen) Kamin hängen würde.

@fjordleserin

Ich habe mir schon eine Weile gewünscht, solch ein Buch zu lesen, wusste aber nicht, das es schon erschienen ist, bis mich Lea fragte, ob ich ihr Buch lesen möchte.

Der Klappentext hat mich direkt erwischt(Bild 2)

In dem Buch begegnen wir mystischen Figuren, Engeln, Hunden, Dorothea , Alexander und noch einigen mehr. Verwoben ist das ganze in beeindruckende Worte, Sätze, die so besonders sind, ein Schreibstil modern, kraftvoll und immer wieder überraschend, das ich staunend las, was hier auf knapp 170 Seiten geschaffen wurde. Man muss sagen, es ist ein Kunstwerk.
Nichts ist , wie es scheint und auf mich wirkte es wie ein rauschhafter Traum.
Man darf nicht daran gehen, wie an einen herkömmlichen Roman, auch mit einem Gedichtband ist es nicht zu vergleichen, sonders steht ganz für sich. Daher kann ich mir auch gut vorstellen, das Buch immer wieder einmal auf zu schlagen und ein paar Zeilen zu lesen, das funktioniert fantastisch, da man nicht direkt einer Geschichte folgt und so die einzelnen Sätze bewusst wahrnehmen und wirken lassen kann.

Für mich war diese Kraft der Worte so eindringlich und spürbar, das ich absolut begeistert bin, mir die Seiten aufgespart habe um nicht zu schnell fertig zu werden, allerdings kann ich mir gut vorstellen, das es kein Buch für jedermann ist, wer es nicht gerne surreal, ohne erkennbaren roten Faden und strukturierter Handlung mag, wird damit nicht glücklich sein, doch jeder , der gerne Wortakrobatik ließt und sich in mutiger Literatur mit Ausdruckskraft treiben lassen möchte, sollte sich Lea gut merken.
Ich hoffe, da kommt noch mehr von ihr.

„Fidirallalla, Fidirallalla, Fidirallallallalla“ .

@_lesezauber

Selten hat mich ein Buch so um den Verstand gebracht und herausgefordert.
Heute möchte ich mit euch über das Buch von @learohr_moser „EGO oder Die Sonne lacht“ sprechen.

Genre: Roman
Umfang: 170 Seiten
Erschienen: Mai. 2024

Wie ich das Buch in 3 Worten beschreiben würde:
•intensiv•kunstvoll•packend

Auf der einen Seite haben wir Dorothea. Eine Künstlerin, die eine schwere Krankheit durchmacht und wie besessen ständig auf der Suche nach inspirierenden Motiven ist. Auf der anderen Seite haben wir Alexander. Er ist Galerist, Vater und ein ziemlich rätselhafter Typ. Der viele verstörte Gedanken und unterdrückte Emotionen in sich trägt.

Und dann wären da noch Lilith, Rahab, Raphael, Luzifer (Engel, Dämonen etc.) kurz gesagt alles mystische Kreaturen und biblischen Wesen, die sich wie ein Schatten um die beiden Protagonisten legen und ihre Realität verzerren.

Eine Verstrickung aus Leben und Tod – Schöpfung und Zerstörung. Diese Geschichte schwankt zwischen Realität und Wahnsinn, schwebt in einer fieberhaften Parallelwelt und lebt durch die ganz besondere Erzählweise, die sich zweifellos ins Gedächtnis einprägt. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich der freie Schreibstil ganz schön herausgefordert hat. Ich sog jede noch so kleine Informationen in mich auf in der Hoffnung auf den Moment zu stoßen, wo alles mehr oder weniger schlüssig wird. Der rote Faden existiert nicht, es gibt keinen aufgezeichneten Weg den man entlang läuft. Man ist frei im Denken und Interpretieren. Die abgehakten Sätze, sogar teilweise nur einzelne Wörter ziehen einen immer tiefer rein. Ein Sumpf aus dem es kein entkommen gibt.

„Der Roman hat sich bereits in Ihrem Gehirn eingepflanzt und breitet sich ohne Ihr Zutun aus“ (Vorwort)

Dieses Buch lebt und funktioniert auf der emotionalen Ebene. Mich hat es verstört, überrascht, fasziniert aber auch teilweise angeekelt – äußerst bildhafte Sprache. So etwas hatte ich noch nie zuvor gelesen und gefühlt. Es lässt sich schwer in Worte fassen. Vielleicht nicht Jedermanns Geschmack aber auf alle Fälle eine interessante und intensive Erfahrung. Danke liebe Lea für dieses in Worte verpackte Kunstwerk 🎨🖌️ *👍🏻

@vilianes.buchwelt

EGO oder die Sonne lacht, EINBUCH Buch- und Literaturverlag Leipzig, 170 S., 15,40 €, ET: Mai 2024
[Werbung unbezahlt/Rezensionsexemplar]

„Der Roman hat sich bereits in Ihrem Gehirn eingepflanzt und breitet sich ohne Ihr Zutun aus.“ (aus dem Vorwort)

Der Roman „EGO oder die Sonne lacht“ führt uns auf eine symbolistisch-surreale Reise in die Welt der Kunst und der Obsession. Es gibt kein singuläres Thema, keinen roten Faden, kein schlüssiges Erzählen, keinen nachvollziehbaren Plot. Er lebt eher von der Unberechenbarkeit, von Fragmenten und Phantasmagorien, die zwischen Traumwelt und Realität verschwimmen. Wir tauchen ein in eine mystische Kunstwelt, in der die wahnhaften, fiebrigen Gedankenströme der Protagonist:innen das leitende Element sind.
Dorothea Born, Künstlerin, erkrankt, wird von wiederkehrenden Fieberträumen geplagt. Sie arbeitet an einem Gemälde von Lilith und befindet sich in einer existentiellen Schaffenskrise, „[…] denn die Totzeiten waren einfach für Dorothea. Sie waren leicht und weich wie ein ewiger Frühling. […] Die Gefahr lag außerhalb der Totzeiten.“(105) Die Lebzeiten, in denen die Stimmen der biblischen Gestalten, die ihr Atelier, ihre Gedanken bevölkern und sie im Paradies jagen und verfolgen, verstummen, waren das Problem. „Dorothea saß fest“ (104). Dorotheas Fieberwelt bietet uns ein illustres Tableau an Personen. Jesus und der heilige Menas sind ebenso dabei wie Lilith, Rahab und Raphael, der Erzengel. Lilith, eigentlich Adams erste Frau, und Rahab sind rebellische und widerständige biblische Frauen, die in der traditionellen Bibelexegese eher auf den zweiten Platz verwiesen wurden.
In diesem Setting werden Themen wie Geburt, Leben, Kindheit, Sterben, Glaube, Erlösung und Sünde verhandelt.
Dann ist da noch Alexander, Galerist, Vater von zwei Kindern und Ehemann von Martha, der von Selbstzweifeln geplagt ist und immer an sich selbst scheitert. Auch er ist gefangen in seiner obsessiven Phantasiewelt, in der ihn Monsterhunde anfallen, ihn zerreißen, an ihm zerren.

Diese verstörenden, mitunter abstoßenden Traumsequenzen verschwimmen mit der realen Welt, wenn Alexander z.B. mit seinen Kindern zu einen Sonntagsausflug aufbricht, so sehr, dass die Lektüre manchmal wirklich beängstigend war. Es ist definitiv kein Roman, den ich in einem Rutsch durchlesen konnte. Immer wieder musste ich Pausen, Nachdenkzeiten einlegen, um zu verarbeiten und zu verstehen, was ich gerade gelesen habe und auch um die Geschichte der biblischen Figuren nachzulesen. Im Roman wechseln sich Versform und Prosatext ab. Bei den Versen habe ich an die ‚écriture automatique‘ der Surrealisten denken müssen, wo Bilder und Gefühle unzensiert ohne den Eingriff eines rationalen Ichs, ohne Sinnkontrolle wiedergegeben werden. Dazu würden auch die ‚falschen‘ Imperfektformen wie „gestriffen“, „striff“, „durchstriff“, „schwiff“ passen, denn das, was in ’normalen‘ Texten als fehlerhaft gilt bezüglich Grammatik, Rechtschreibung, Satzbau, gilt in der ‚écriture automatique‘ als erwünscht und zielführend. Die Lautung [i] vermittelt eine spitze Schärfe und ein rasantes Tempo, was wiederum zur atemlosen Hast des Textes passen würde. Die Lautung [ei] in den eigentlichen Imperfektformen ‚gestreift‘, ’streifte‘, ‚durchstreifte‘, ’schweifte‘ klingt doch weitaus behäbiger und schwerer. Es war eine herausfordernde und faszinierende Leseerfahrung, aber diese Art und Weise des Erzählens gehört definitiv nicht zu meinen Vorlieben. Dennoch hege ich große Bewunderung für die Autorin, die sich an dieses sprach- und bildgewaltige Romanexperiment gewagt hat. Chapeau!

@blechsbibliothek

Das Lesen der Literatur ist mindestens tragisches und trauriges Unterfangen. Tragisch, weil bei extensivster Lektüre die Fülle lesenswerter Bücher nie zu bewältigen ist. Traurig, weil das Leben Lesender aus all den verpassten Büchern besteht, deren Lektüre sich gelohnt hätte. Tröstlich ist, wenn ein Buch den Weg zu einem findet, das man womöglich verpasst hätte, wenn nicht Glück nachgeholfen hätte.
Der Roman von Lea Rohrmoser „EGO oder Die Sonne lacht.“, erschienen im Leipziger Einbuch Verlag, ist so ein Glücksfall!
Rohrmosers Roman wird keine großen Literaturpreise gewinnen, ihr Roman wird auf keinen Bestsellerlisten landen, stilistisch und dramaturgisch ist der Text manchmal etwas sperrig und ungeschliffen. Aber trotzdem zeigt sich, dass eine Autorin schreibt, die das Zeug hat, Literaturpreise zu gewinnen und künftig mit ihrer literarischen Kraft auch ein großes Publikum zu erreichen.
Rohrmosers Roman kreist um die Malerin Dorothea und den Galeristen und ebenfalls Maler Alexander. Beide sind in ihren Alltag verstrickt, hadern mit künstlerischen Blockaden, der Suche nach der Einheit von Sprache, Denken, ästhetischer Form und dem Ausdruck dieses Suchens in der künstlerischen Arbeit.
Lea Rohrmoser entfaltet das durch den Rückgriff auf die biblische Schöpfungsgeschichte, wobei sie sich auf dissidente Mythen bezieht, in denen Lilith als erste Gefährtin Adams aus dem Paradiesgarten auszieht, weil sie u.a. nicht einsieht, ‚unter ihm’ liegen zu müssen.
Rohrmoser nimmt en passant die sprachphilosophischen Debatten um Logos, Sprache, Sprechen, Bedeutetes und Bedeutendem auf und überführt sie in Gestalt von Traumbildern , Delier und innerem Monolog in die Gegenwart. Wer Spaß daran hat, mythischen Figuren wie den Mänaden, Erzengeln und biblischen Fabelwesen wie dem Rahab zu begegnen, ist mit dem Roman bestens unterhalten. Marcel Proust schrieb, Bücher seien optische Instrumente, die Autoren den Lesenden reichten , damit diese sich klarer zu sehen vermögen. Lea Rohrmoser reicht solch ein Instrument; dass wir nicht klar sehen, liegt nicht am fehlerhaften Instrument, sondern an unserer Gegenwart an sich.
Danke an @vilianes.buecherwelt für diese glückliche Leseempfehlung!

@hi_bluebirdy

Okay, wow, das war wild. 😊 Über einen Monat hat mich der Roman von @learohr_moser begleitet. Und während der gesamten Zeit, wusste ich einfach nicht wohin mit mir und all meinen Gefühlen zu diesem Buch.

Gleich die ersten Seiten haben mich reingezogen in die Geschichte und die wilden Träume von Dorothea Born. Eine Künstlerin, die im Strudel ihres Schaffensprozesses lebt und versucht, sich von aller Einengung zu befreien. Besonders die Traumbegegnungen mit Lilith, der ersten Frau von Adam, haben mich so, so tief bewegt. Ihre Befreiung, ihre innere Stärke fühlte ich so intensiv, als würde es um mich selbst gehen. ❤️‍🩹

Die Sprache der Autorin ist besonders. Einige Sätze haben mich kalt erwischt, so wahr, so berührend. Andere wiederum konnte ich kaum zu Ende lesen, weil sie mir zu heftig und zu hart waren.

Mit Dorothea verband ich mich beim Lesen, die Figur des Alexanders, dem alles an sich selbst in Frage stellenden Galeristen, blieb mir fremd.

Dieses Buch ist mit nichts in dieser Welt vergleichbar und wird wohl immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Danke, liebe Lea, dass du mir deinen Roman als #rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hast. ♥️